Die Stämme der Germanen

Einige Worte vorab

Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Stämmen der Germanen.  Da es eine Vielzahl von germanischen Stämmen gegeben hat und ihre Siedlungsgebiete, sowie ihre historische Entwicklung Einflüssen der Völkerwanderung und Kriegen unterworfen gewesen sind, würde es den Rahmen dieses Artikels sprengen, alle Fakten aufzuführen.  Im groben wird der Zeitraum kurz vor der Zeitenwende bis in das fünfte bzw. sechste Jahrhundert aufgeführt.

In den jeweiligen Abschnitten der verschiedenen Stämme werden wesentliche Hauptmerkmale der Germanenstämme behandelt. Die Teile über die Lebensweise der Germanen und deren Siedlungen treffen jedoch weitgehenst auf viele der Stämme zu, weswegen im Vorfeld der eigentlichen Beschreibung der Stämme, die Germanen einmal ganz grob beschrieben werden.

 

Die Germanen

Der durchschnittliche Germane war im Vergleich zu unserer Gesellschaft sehr jung. Das Durchschnittsalter der Germanen lag etwa bei 30 Jahren. Grund dafür war das Sterben der Mütter im Kindbett, das Säuglingssterben und natürliche Kriege und Raubzüge. Zum frühen Sterben trugen auch massive Zahnprobleme bei, die mit Sicherheit auch durch die gemahlenen Körner, welche mit Spuren der Mühlsteine versetzt waren, verursacht wurden, wie auch Gelenkserkrankungen bei.

Moesgaard JernalderhusDie Germanen lebten in Siedlungseinheiten von etwa 200 bis 300 Personen. Hier organisierten sie sich und rodeten Waldgebiete für neue Äcker und Siedlungsland. Die typische germanische Wohneinheit war das Langhaus. Es war in der Skelettbauweise errichtet und bestand überwiegend aus Holz und anderen verrottbaren Materialien. Das dreischiffige Langhaus war sechs bis acht Meter breit und in Einzelfällen bis zu 60 Meter lang.

Hier waren Vieh, Feuerstelle und auch die Schlafplätze untergebracht. Das Vieh sorgte zudem im Winter mit dafür, das Haus mit zu beheizen. Fenster hat das typische germanische Haus wohl nicht besessen.  Im Durchschnitt haben wohl 20 Personen, also Eigentümer, Halbfreie und Sklaven unter einem Dach gewohnt. Es gab weitere Arten von Bauten die für spezielle Zwecke genutzt wurden. Der Kornspeicher und die Vorratskammer lagen oft auf Pfählen und somit erhöht. Dies schützte vor Ungezieferbefall.

In der Nähe solcher Siedlungen, die von anderen Siedlungen oft durch Wald getrennt waren, lagen die Flucht- oder Höhenburgen. Hier konnte man sich bei einem Angriff zurück ziehen. Heute kann man die Reste solcher Fliehburgen in Formen von Ringwällen finden.

Die Germanen waren überwiegend eine landwirtschaftlich orientiert Gesellschaft. Handel zwischen den Stämmen fand im Austausch von Naturalien statt. Erst die Römer brachten eine Währung mit sich und somit bildeten die Grenzen und der spätere Limes eine eigene Handelszone. Da wo Handel betrieben wurde gab es Warentransaktionen mit Vieh, Getreide, Wolle, Bernstein, Töpferwaren und Schmuck.

Die Landwirtschaft war mit dem Anbau von Gerste, Hafer, Rippenhirse, Weizen und Roggen beschäftigt. Es wurden einige Arten von Wurzelgemüse angebaut und am heimischen Herd verarbeitet.  Das Vieh der Germanen war kleiner wie wir es heute kennen; man hatte Rinder, Ziegen und Schafe. Tacitus berichtete über die Germanen sie hätten große Mengen an einem gegorenen Gerstensaft und Met zu sich genommen. Das germanische Bier hatte wohl einen geringeren Alkoholgehalt wie unser heutiges, weswegen sie wohl große Mengen über einen langen Zeitraum zu sich nehmen konnten. Volltrunkenheit war jedoch wohl verpönt.

Durch den schnellen Verschleiß der Äcker waren die Germanen oft gezwungen neue Flächen zu roden oder sich neue Siedlungsgebiete zu suchen. Hier liegt ebenfalls ein Teil der raschen Expansion diverser Stämme zugrunde aber auch dem schnellen Sterben – ein Hungertod war nicht selten.

Die germanische Gesellschaft war patriarchisch aufgebaut. So war der Anführer einer Familie oft zugleich auch derjenige welcher die Feste organisierte. Die Religion hatte einen festen Bestandteil im Alltag der Germanen und wurde nicht selten von dem Familienpatriarch geleitet.

Die Frauen hatten feste Aufgaben. Sie kümmerten sich nicht nur um die Kinder, sondern hatten auch die Aufgabe die Halbfreien und Sklaven in ihre landwirtschaftlichen Tätigkeiten einzuteilen. Weiterhin widmeten sie sich Webarbeiten, dem Spinnen und dem Töpfern.

Die Männer hingegen verrichteten die schwere körperliche Arbeit, die Jagd oder waren auf Raubzügen. Bei größeren Schlachten überliefern uns die Geschichtsschreiber aber auch die Anwesenheit der Frauen und Kinder. Nicht selten lieferten die Frauen den entscheidenden Wandel einer Schlacht. Sie verbanden die Wunden der Verletzten und motivierten die Krieger mit Flehen und mit dem Hinweis auf drohende Gefangenschaft oder Sklaverei oder motivierten sie mit dem Entgegenhalten der entblößten Brust.

 

Die Stämme der Germanen


Zeitleiste der germanischen Stämme

Ab 800 v.Chr. Beginn der Eisenzeit in Europa. Die Techniken der Eisenverarbeitung dringen langsam in den Norden des Kontinents vor. 5. – 1. Jhr.v.Chr. Jastorfkultur […]

Alemannen

Die Bevölkerungsgruppe der Alemannen wird im Jahr 213 n.Chr von dem Schriftsteller Cassius Dio erwähnt und dem westgermanischen Kulturkreis zugeordnet. Kaiser Caracalla erwähnte ebenfalls die […]

Angeln

Der römische Historiker Tacitus erwähnte das westgermanische Volk der Angeln erstmals im Jahr 98 n. Chr. Die Angeln siedelten im Norden und Nordosten Deutschlands in […]

Bataver

Die Entstehung des Stammes der Bataver vermutet man um das Jahr 50 v.Chr, hier sollen sie sich, angetrieben von stammesinternen Problemen, von den Chatten abgespalten […]

Burgunden

Die Burgunden waren ein Stamm der den Ostgermanen zugerechnet wird. Im Jahr 57 n.Chr. werden sie von Plinus dem Älteren erwähnt der sie auf seinen […]

Chatten

Die Chatten hatten ihren Siedlungsraum in den Tälern von Eder, Lahn und Fulda. Das Gebiet nördlich und westlich der Eder, also die Ebene von Fritzlar-Wabern […]

Cherusker

Von den Cheruskern ist bekannt dass sie ihr Siedlungsgebiet zwischen Weser,  Elbe und dem Gebirge Harz hatten. Die Grundlagelage dafür bieten Erwähnungen von Julius Caesar […]

Friesen

Die Friesen siedelten in der frührömischen Zeit in großen Teilen Nordhollands und an der nordwestlichen Küste der Nordsee, also von der Mündung des Rheins bis […]

Gepiden

Das germanische Volk der Gepiden tritt erstmals 260 n. Chr. in Erscheinung. Sie griffen zusammen mit den Goten Dakien an. Die gepidische Geschichte ist relativ […]

Goten

Die Goten werden zu den ostgermanischen Völkern gerechnet und finden ihre ersten Erwähnungen in den Schriften von Tacitus, Strabon und Ptolemäus. Tacitus nennt sie mit […]

Hermunduren und Thüringer

Die Stammesgruppen der Hermunduren und der Thüringer sind eng miteinander verwoben. Die Hermunduren gehörten im ersten Jahrhundert v.Chr. zu den elbgermanischen Stämmen die im Oberlauf […]

Langobarden

Das Siedlungsgebiet der Langobarden lag wohl im westlichen Mecklenburg und in der mittleren Gegend der Elbe. Somit könnten oder sind sie ein Teilstamm der Sueben […]

Markomannen

Die Markomannen sind ein germanischer Volksstamm der dem Großverband der Sueben zugerechnet wird. Die erste Erwähnung finden sie in der römischen Geschichtsschreibung 58 v. Chr. […]

Ostgoten – Greutungen

Die Gruppe der Greutonen, welche als Ostgoten bezeichnet werden, wurde im Jahr 375 von den Hunnen unterworfen.  Sie hatten in dieser Zeit wohl einen Einflussbereich […]

Sachsen

Die Sachsen finden erstmals Erwähnung in den Schriften von Ptolemäus im Jahr 150 n.Chr. Der Stammesverband der Sachsen wird auch schon vor dieser Zeit existiert […]

Sueben

Die Bezeichnung Sueben (Sweben, Sueven, Suawen oder lat. Suebi/suevi) bezieht sich auf mehrere germanische Stammesgruppen. Sie hatten ihre Ursprünge in den Gebieten östlich der Elbe, […]

Vandalen

Bevor die Vandalen, die als ostgermanischer Stamm zählen, in der Mündung zwischen Oder und Weichsel, in Schlesien und Polen siedelten, waren sie in Nordjütland ansässig. […]

Westgoten – Terwingen

Nach der Spaltung des Stammes der Goten siedelten die Terwingen im dritten Jahrhundert in der Provinz Dakien. Die Terwingen verhielten sich, bis auf gelegentliche Raubzüge […]

 

Bildquelle:

Jernalderhus, Rekonstruktion eines eisenzeitlichen Hauses um 400 im Moesgaard-Museum bei Aarhus, Dänemark
Autor: Sten Porse, Wikimedia Commons, unverändert übernommen